Nach dem Austritt aus der EU hat das Vereinigte Königreich (VK) ein neues Zoll-System angekündigt. Die Regeln sollen die bisher geltenden EU-Bestimmungen ablösen und ab Januar 2021 in Kraft treten, wie die Regierung in London am 16.06.20 mitteilte.
Dabei soll ein Zoll von zehn Prozent auf Autos bestehen bleiben. Die neuen Regeln sollen einfacher und billiger als die gemeinsamen Außenzölle der EU sein. Das VK will Zölle für eine breite Palette von Produkten abschaffen, wobei 60 Prozent des Handels zu WTO-Bedingungen oder nach anderen Bestimmungen zollfrei nach Großbritannien gelangen. Allerdings sollen Zölle für Waren beibehalten werden, die mit Branchen wie Landwirtschaft, Autoindustrie und Fischerei konkurrieren. Nach dem Austritt aus der Europäischen Union (EU) peilt Großbritannien Freihandelsabkommen mit Ländern auf der ganzen Welt an. Ziel sind Vereinbarungen bis 2022, die 80 Prozent des britischen Handels abdecken.
Bereits 2020 werden die künftigen Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich verhandelt. Die Frist ist extrem kurz und werden seitens der EU als nicht realisierbar angesehen. Für den Warenverkehr würde ein Abkommen im Wesentlichen regeln, ob und unter welchen Voraussetzungen Zölle erhoben werden und ob es Mengenbeschränkungen für bestimmte Waren gibt. Besonders wichtig ist auch die Frage, ob sich die bestehenden gemeinsamen Normen und Standards auseinanderentwickeln oder ob diese künftig gegenseitig anerkannt werden.
Unabhängig vom Ergebnis der Verhandlungen ist klar, dass es nach dem Ablauf der Übergangsfrist eine Zollabfertigung geben muss.

Im Einzelnen bedeutet dieses für den Warenverkehr und die Zollabwicklung aus der EU in das VK:
• Ausfuhranmeldung und
• Registrierung mit EORI-Nummer sowie
• Eine Zollsoftware (zum Beispiel ATLAS) für die elektronische Abwicklung werden fällig. Zulassung sowie Artikelstammdaten und Codierungen werden dafür benötigt
• Ausfuhrgenehmigungen werden gegebenenfalls für sensible Güter benötigt
• Umsatzsteuerliche Folgen: EU-Richtlinien verlieren Geltung
• in VK erfolgt eine Einfuhrabfertigung. Die Höhe der Zölle richtet sich grundsätzlich nach dem VK-Zolltarif. Dieser wird sich am EU-Tarif orientieren oder niedriger sein. Aktuell ist geplant, dass die VK-Zölle während einer Übergangszeit ausgesetzt werden sollen.

Das bedeutet für die Einfuhr in die EU aus VK:
• Ausfuhrabfertigung VK
• Einfuhranmeldung sowie
• EU-Zölle (Einfuhrumsatzsteuer, eventuell Verbrauchsteuer) werden fällig.
• Je nach Warenart können zusätzliche Lizenzen, Nachweise oder Zertifikate erforderlich sein.

Der deutsche Zoll
hat Details für Zollanmeldungen in ATLAS (Teilnehmerinformation 1787/19) veröffentlicht. Anmeldungen für Ein- und Ausfuhren sind nach dem harten Brexit möglich, Ländercode ist “GB”, bei der Ausfuhr ist die Art der Anmeldung “EU”.

Die EU
hat für verschiedene Themengebiete Informationen in ihren Preparedness Notices zusammengestellt:
https://ec.europa.eu/info/brexit/brexit-preparedness/preparedness-notices_de

Das VK
hat Informationen und News unter den folgenden Link bereitgestellt:
https://www.nao.org.uk/report/the-uk-border-preparedness-for-eu-exit/